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Shapeshifting

Auf dieser Seite möchte ich die möglichen Ursachen einer Gestaltwandlung untersuchen und vielleicht zu einer plausiblen Erklärung dieses in allen Kulturen beschriebenen Phänomens kommen. Dabei werfen die Werwolf-Legenden zwei fundamentale Fragen auf, denen ich im Folgenden nachgehen werde.

Warum Gestalttransformation?

relief.gif Mit den Begriffen der klassischen Naturwissenschaften ist für diese Frage keine befriedigende Antwort zu finden. Wie bei der Beschreibung der Anatomie des Werwolfs bereits dargelegt, ist ein Shift ein Vorgang, der sehr viel Energie benötigt. Er steht also im starken Widerspruch zu allen phänomenologischen Beobachtungen, die allesamt dem Minimalitätsprinzip des Aufwands folgen. Hinzu kommt die Frage nach dem biologischen Nutzen von einer Ausprägung einer derartigen Fähigkeit. Ausgehend davon, dass Gestalttransformation Fakt und nicht Erzeugnis irgendeines Aberglaubens ist, muss es eine plausible Erklärung dafür geben, dass ein Mensch sich in tierische Zwischenformen beliebigen Grades bis hin zu jenem Tier selbst verwandeln kann.
Die Tatsache, dass es unterschiedliche Transformationsgrade zu geben scheint, beginnend von rein psychisch-mentalen Shifts, in denen die Physis unbetroffen bleibt, über erste physiologische Veränderungen wie die Schärfung der Sinne, bis hin zu vollständigen Shifts auf physiologischer Ebene, lassen vermuten, dass die Wurzeln einer jeden Verwandlung in der Psyche des Betroffenen zu liegen scheinen. Man ist der Ansicht, dass es sich hierbei um an Lykanthropie erkrankten Menschen handelt. Einen interessanten und vielversprechenden Ansatz zur Beschreibung des Zusammenhangs zwischen psychischer Erkrankung und physischen Shifts liefert die indianische Mythologie und das Weltbild des Schamanismus und sein Modell der Seele.
Der Schamanismus sieht im Menschen nicht nur die Person, wie wir sie gerade wahrnehmen, sondern auch ein spirituelles System, welches von unterschiedlichsten Geistkräften (Bewusstseinsebenen) getragen wird, die eine Interaktionsebene mit der Umwelt über die physikalischen Dimensionen hinaus bildet. Zusammen mit einer Vielzahl an Geisterfahrungen unterschiedlichster Qualitäten bildet dieser Träger die Seele. Der Mensch ist genau dann gesund, wenn das Zusammenspiel innerhalb der Geistkräfte harmonisch ist. Wird die Harmonie aus irgendwelchen Gründen gestört, wird die Seele krank. Da Materie eine vorübergehende Erscheinung des Geistes ist, ist unser physikalisches Sein, unser Körper, unser körperliches Wohlbefinden eine Projektion unserer Seele und unseres Seelenzustands. Somit sind körperliche Leiden surjektive Abbildungen disharmonischen Zusammenspiels von irgendwelchen Geistkräften. Im Falle der Lykanthropie ist es eine Transformation des physischen Abbilds in die jeweilige Tierform.

Transformation nur bei Vollmond?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, muss man erst einmal das Phänomen Lykanthropie verstehen. Die eigentlichen Fragen, die es hierfür zu klären gilt, sind:

  1. Was ist Lykanthropie?
    Eine fundierte Beschreibung des Lykanthropiebegriffs findet sich hier.

  2. Welche Ursachen hat Lykanthropie?
    Bei meinen Recherchen im Internet bin ich auf folgende drei Erklärungsansätze gestoßen:
    • Die wissenschaftlich-psychologische Deutung nimmt die Amnesie der Lykanthropen exakt über den Zeitraum des Shifts, um zu folgern, dass die Lykanthropie eine spezielle Form der Schizophrenie sei.

    • Der esoterische Erklärungsansatz ist, dass die Seele unsterblich ist und in wechselnden Körpern, sowohl als Mensch, als auch als Tier oder Pflanze, durch verschiedene Leben geht. Bei so einem Wechsel kann es nach Ansicht der Esoteriker geschehen, dass Erinnerungen an das vorherige Leben nicht vollständig vergessen wurden. Diese würden unter bestimmten Voraussetzungen an die Bewusstseinsoberfläche gespült und Oberhand gewinnen.

    • Der schamanische Erklärungsansatz ist, dass Seelen auch im betreffenden Leben wandern können. Wenn dies geschieht, kann unter Umständen der nun "freie" Körper von einer anderen Seele, die ihren Körper verloren hat und vielleicht noch etwas zu erledigen hatte, in Besitz genommen werden.
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Abb.: unterschiedliche Transformationsstufen

Allerdings bietet keine der drei Sichtweisen eine vollständige und befriedigende Erklärung für das Entstehen von Lykanthropie, denn die wissenschaftlich-psychologische Deutung bietet nur eine Interpretation der Symptomatik, die esoterische Erklärung impliziert, dass ein Lykanthrop von Geburt an an Lykanthropie leiden muss, und die schamanische Erklärung benötigt keine Übertragung durch einen Werwolfbiss.

Von der These ausgehend, dass es wirklich einen reversiblen Shift gibt und dieser nur bei Vollmond durchführbar sein kann, bietet das schamanische Modell des Seins und das der kosmischen Kräfte die geeignetste Basis, von der aus eine halbwegs plausible Begründung gefunden werden könnte.
Das Besondere am Vollmond aus astrophysikalischer Sicht ist die quasikonjunktionale Konformation der Gestirne Sonne, Erde und Mond. Diese Konstellation mag das Zusammenspiel der Geistkräfte in einer Weise verschieben, dass ein Lykanthrop in der Tat in den Zustand eines Shifts hinüberwechseln kann.
Dies nur als Darstellung einer Möglichkeit… catdevil

 

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